Conditio humana

Aus Jugendsymposion
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Kasseler Jugendsymposion »Conditio humana«

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Conditio humana


Die "Conditio humana" steht vom 9. bis 12. Juni 2021 im Mittelpunkt eines großen Jugendsymposions in der documenta-Halle in Kassel. Dort wird die Frage aufgeworfen, was der Mensch nach Maßgabe seiner Weltverbundenheit werden kann.

Die Frage, wie es ist und was es heißt, ein Mensch zu sein, können wir uns nur stellen, weil wir fähig sind, uns von außen zu sehen. Es ist uns möglich, abständig auf uns selbst zu blicken. Wir empfinden uns nicht nur direkt als jemand, sondern wir bemerken zugleich, wie diese / dieser Jemand sich gibt und darstellt. Mit der Empfindung, direkt und unmittelbar jemand zu sein, fühlen wir uns selbst in uns zuhause. Wir sind einfach leiblich unmittelbar da. Das bildet den Ausgangspunkt unseres Erlebens. Gelingt es uns, Begegnungen mit anderen Menschen, Landschaften oder Städten intensiv zu erleben, so klingt dieser leibliche Ausgangspunkt wie mit. Unser leibliches Dasein erfahren wir, so Thomas Fuchs, als Mit-Sein mit der Welt. Und durch den Leib verwandeln wir uns, wie Hartmut Rosa es ausdrückt, der Welt an. Blicken wir von außen auf uns, so stellen wir unsere Erlebnisse in einen neuen Bezug. Wir fragen, was sie bedeuten. Uns wird deutlich, dass wir nicht nur erleben, sondern auch Bedeutung verleihen können. Wir werden zu jemand, die / der Sinn stiftet. Wie können leiblich-unmittelbares Erleben und der Perspektivenwechsel, welchen wir vollziehen, wenn wir Sinn und Bedeutung stiften, zusammenklingen? Diese zentrale Frage unseres Menschseins verfolgt uns ein Leben lang. Siri Hustvedt weitet diese Frage, indem sie das leiblich-unmittelbare Erleben zusammenschaut mit dem, was uns direkt und unmittelbar begegnet. So schreiben wir nicht nur unser Leben, wir werden zugleich auch von ihm geschrieben. Können wir auch diese beiden Aspekte zusammenklingen lassen? Wie kann unser Selbstverhältnis in harmonischer Weise zugleich ein Weltverhältnis sein?

Schon vor der Corona-Pandemie war der Perspektivenwechsel, welchen wir Menschen vollziehen, wenn wir unser unmittelbares Erleben anschauen und Bedeutung stiften, für Bildungsprozesse zentral. – Durch lange Fernunterrichtsphasen hat die Schule in einem ganz neuen Maße die Aufgabe bekommen, dass sich in ihr das eigene Selbstverhältnis zu einem verständigen und dialogischen Weltverhältnis entwickeln kann. Diese Frage ist von Siri Hustvedt, Hartmut Rosa und Thomas Fuchs ausgesprochen gründlich und weitblickend bearbeitet worden. Nicht zuletzt zeigt ihre prominente Stellung im kulturellen und wissenschaftlichen Leben, wie sie den Puls der Zeit treffen. Das Kasseler Jugendsymposion nimmt hundert Jahre Oberstufenunterricht an Waldorfschulen zum Anlass, mit einem großen Symposion zur Conditio humana, bei dem zeitgleich von Peking bis New York Oberstufenschüler/innen online zugeschaltet sind, die genannten Fragen zu thematisieren. Es werden so viele Teilnehmer/innen wie möglich in Präsenz dabei sein, es werden tausende online hinzukommen. Alle werden neu auf sich mit der Frage blicken, wie es ist und was es heißt, ein Mensch zu sein.

Ablauf



Mittwoch

10.15 Begrüßung in der documenta-Halle

10.30 Vortrag Wilfried Sommer

14.15 Uhr Vorlesung Siri Hustvedt

17.00 Uhr Seminare


Donnerstag

09.00 Uhr Seminare

10.30 Vortrag Thomas Fuchs

14.15 Uhr Vorlesung Siri Hustvedt

17.00 Uhr Seminare

Abends Konzert


Freitag

09.00 Uhr Seminare

10.30 Vortrag Hartmut Rosa

14.15 Uhr Vorlesung Siri Hustvedt

17.00 Uhr Seminare


Samstag

09.00 Uhr Plenum Jugendsymposion - Schüler*innenbeiträge

10.30 Uhr Plenum Jugendsymposion - Dozent*innenbeiträge

11.30 Verabschiedung

Bewerbung und Anmeldung


Hier erhalten Sie alle Informationen zum Bewerbungsverfahren.

Bitte lesen Sie sich das Bewerbungsverfahren durch. Die Online-Anmeldung erfolgt über folgende Webseite: www.lehrerseminar-forschung.de | Anmeldung

Anmeldeschluss für das Kasseler Jugendsymposion »Conditio humana« ist der 28. März 2021.


Essaythemen


Thema 1:

»Damals wusste ich nicht, was ich jetzt weiß: Während ich schrieb, wurde ich auch geschrieben«, stellt Siri Hustvedt in ihrem autobiographischen Roman »Damals« fest. Hustvedt beschreibt einen zugleich aktiven und passiven Prozess, der in einem starken Bezug zu ihrer Biographie zu stehen scheint. Inwiefern »schreiben« wir unser Leben und werden gleichzeitig »geschrieben«? Beziehen Sie eigene Erfahrungen mit ein.


Thema 2:

»Alles, was uns forttreibt, ist zugleich Ausdruck einer unendlichen Sehnsucht bei uns selbst anzukommen«, so der österreichische Philosoph Konrad Paul Liessmann über Reise und Heimkehr des Odysseus. Gleichzeitig macht Liessmann damit grundlegende Aussagen über die Natur des Menschen und seine Beziehung zur Welt: Ist der Impuls des Fortgehens ein universaler Weg, um zu sich selbst zu finden? Gehen Sie dabei von eigenen Erlebnissen und Selbstbeobachtungen aus.


Thema 3:

In einem Interview für die Zeitschrift »Weiterbildung« unterscheidet Hartmut Rosa Lernprozesse, die sich auf Informationsaufnahme beschränken, von transformativen Lernprozessen. Diese sind nach Rosa durch ein unmittelbares Berührt-Sein vom Lerngegenstand sowie durch ein konkretes In-Beziehung-Treten aller am Lernprozess Beteiligten in Zeit und Raum geprägt und ermöglichen eine Erfahrung von Selbstwirksamkeit. Reflektieren Sie vor dem Hintergrund von Rosas Unterscheidung eigene Lernprozesse - möglicherweise unter Einbeziehung aktueller Erfahrungen mit digitalem Unterricht.


Das vollständig ausgefüllte Deckblatt samt Essay mit Schulstempel und Unterschrift von Ihrem Kontaktlehrer und ggf. von einem Erziehungsberechtigten senden Sie bitte an unten stehende Adresse. (Unterschriften und Stempel entfallen für Schulabsolventen). [Download Deckblatt]


KASSELER JUGENDSYMPOSION
Brabanter Straße 30
34131 Kassel

Die Frist für die Einsendung der Essays endet am 30. April 2021.

Teilnahmegebühr


Die Teilnahmegebühr für ein Symposion beträgt 40 Euro. In der Gebühr enthalten ist eine 4-Tage-Straßenbahnkarte.