19. Kasseler Jugendsymposion »Licht«

Aus Jugendsymposion

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Licht


Aurora Borealis – Wenn im hohen Norden in den Wintermonaten das Sonnenlicht fast ganz verschwindet, erscheint am klaren Himmel das Polarlicht in all seinen Farben. Foto: Petri Jauhiainen, Finnland / 123rf.com




6. bis 9. Dezember 2018


Indem die Sonne aufgeht, erhellt sie die Welt. Die Oberflächengestalt der Erde beteiligt sich am Leuchten der Sonne, sie wird durch ihr jeweiliges Verhältnis zur Sonne selbst in differenzierter Weise hell. Ihre mannigfaltigen Konturen bilden einen Gesamtzusammenhang, werden zur Landschaft, indem sie im Licht stehen. Licht zeitigt sich hier als eine Beziehung zwischen Leuchtendem und Beleuchtetem, als eine Verbindung, die hier und jetzt in Erscheinung tritt, als »enacted connectedness«.

Das Licht weist auf eine ideelle Dimension. Im Licht der Aufklärung wird die erstrahlende Landschaft einer sonnerhellten Welt zur Metapher für die Vernunft, mit der sich ein selbstbewusstes Denken die Ordnung der Welt erobert. Die Ambivalenz der Aufklärung wiederum verbildlicht sich in der Metaphorik des Feuers: »Es gibt Licht und Wärme, es ist zum Wachstum und Fortschreiten alles dessen, was lebt, unentbehrlich; allein – unvorsichtig behandelt, brennt es und zerstört auch.« (G. C. Lichtenberg)

In der Quantenoptik lässt sich die Vorstellung, ein Photon gehe am Doppelspalt entweder durch die eine oder die andere Öffnung, nicht halten. An die Stelle eines solchen lokalen Realismus tritt eine Überlagerung von möglichen Wegen, aus denen sich Auftreffwahrscheinlichkeiten berechnen lassen. Das Licht umgreift das Spannungsfeld von Potenzialität und Tatsächlichkeit, von Allgemeinem und Besonderem. Zugleich ist es für Physiker*innen aber auch ausgesprochen konkret, indem es als Energiequelle dient und Leben wie Technik ermöglicht.

Begegnen wir Kunstwerken, die in besonderer Weise mit Licht umgehen, so wirft uns unsere intensivierte Wahrnehmung zugleich auf uns selbst zurück. Wir sind aufgerufen, eine tragfähige Perspektive zu finden, während wir uns auf die Begegnung einlassen. Was hier im Spiegel der Kunst auftritt, erweist sich zugleich als ein Appell an das Leben selbst. Vor diesem Hintergrund stellen sich Fragen an die unterschiedlichsten Lebensbereiche: an die Architektur und insbesondere die Atmosphäre von Räumen, an die Suche eines eigenen Standpunktes – aber auch etwa an den Beitrag der Solartechnik zur Energieversorgung.


Inhaltsverzeichnis

Ort · Zeit


Das 19.  Kasseler Jugendsymposion beginnt am Donnerstag, den 6. Dezember. Es endet am Sonntag, den 9. Dezember 2018 mit dem Abschlussplenum um 16.15 Uhr. Veranstaltungsorte sind das Haus der Kirche (Wilhelms­höher Allee 330), die Räume des Lehrerseminars für Waldorfpädagogik Kassel (Brabanter Straße 30) und der Freien Waldorfschule Kassel (Hunrodstraße 17). Außerdem werden wir die Firma SMA und das Staatstheater Kassel besuchen. Die Ver­anstaltungsorte sind bequem zu Fuß oder mit der Straßenbahn zu erreichen.

Veranstaltungsorte des 19. Jugendsymposions »Licht«


Vorträge



Donnerstag, 6.12.2018, 17:45 Uhr

Prof. Dr. Wilfried Sommer
(Physiker, Mitglied der Leitung des Jugendsymposions)
Vortrag: Licht in Kunst und Wissenschaft




Freitag, 7.12.2018, 09:00 Uhr, bei SMA

Dr.-Ing. Jürgen Reinert
(Vorstandssprecher bei SMA, weltweit umsatzstärkster Hersteller von Wechselrichtern für Photovoltaikanlagen mit Netzeinspeisung)
Vortrag: Zukunftsperspektiven der Solarenergie



Freitag, 7.12.2018, 17:00 Uhr, im Staatstheater Kassel


Michael Volk
(Chefdramaturg am Staatstheater Kassel)
Benjamin Schönecker
(Bühnenbildner am Staatstheater Kassel)
Brigitta Hüttman
(Beleuchtungsmeisterin am Staatstheater Kassel)
Vortrag: Lichträume auf der Bühne im Staatstheater am Beispiel der »Orestie«


19:30 Uhr im Staatstheater Kassel:
Besuch des Theaterstücks »Orestie« von Aischylos



Samstag, 8.12.2018, 09:00 Uhr

Dr. Sibylle Anderl
(Astrophysikerin und FAZ-Redakteurin, Erfolgsbuch: »Das Universum und ich: Die Philosophie der Astrophysik«)
Vortrag: Licht als Tor zum Universum



Samstag, 8.12.2018, 16:15 Uhr

Stefan Mey
(freier Journalist in Berlin, untersucht den Einfluss des Internets auf die Gesellschaft, Wirtschaft und Politik. Erfolgsbuch: »Darknet. Waffen, Drogen, Whistleblower«)
Vortrag: Licht ins Darknet bringen

Foto: (c) Ralf Rühmeier


Sonntag, 9.12.2018, 9:00 Uhr

Master Han Shan
(früher Unternehmer, nach einem schweren Unfall verschenkte er seine Firma und wurde buddhistischer Mönch)
Vortrag: Das Licht der Erkenntnis und der Kontemplation



Seminare und Trainings



Seminare · Fr 13.30–14.45 Uhr · Sa und So 11.15–12.45 Uhr


19-S01 Nachtseiten der Urbanität – Licht und Dunkelheit in unserer Alltagskultur. Eine Auslotung.

[Marcus Oberreuter]


19-S02 Das Licht und die Blindheit

[Peter Lutzker]


19-S03 Licht und Quantenphysik

[Oliver Passon]


19-S04 Das Licht zwischen Mensch und Welt – Einblicke in spätantike und mittelalterliche Philosophie und wie sie den Menschen der Gegenwart etwas angehen.

[Paulus Schürmann]


19-S05 Licht auf krummen Touren – eine Einführung in die nichteuklidische Geometrie

[Thomas Neukirchner]


19-S06 Licht in der Architektur

[Bukhuti Tsanava]


19-S07 »Ohne Licht gibt es keinen Raum« Robert Wilson

[Agnes Mann]


19-S08 Was ist Farbe? Eine Erkundung zwischen Hirnforschung und Philosophie

[Axel Ziemke]


19-S09 Fossilien – Licht im Dunkel der Erdgeschichte

[Samuel Giersch]


19-S10 Erkenntnistheoretische Grundlagen der Anthroposophie

[Stephan Sigler]


19-S11 Künstliche Intelligenz, Cobots, Big Data & Co.: Die Wirtschaft im Licht der Digitalen Transformation

[Karoline Kopp]


19-S12 Das Licht der Aufklärung

[Rita Schumacher, Florian Stille]


Seminar-Trainings-Kombination · Fr 13.30–14.45 Uhr und 15.15–16.30 Uhr · Sa 11.15–12.45 Uhr und 14.00–15.30 Uhr · So 11.15–12.45 Uhr und 13.45–15.15 Uhr


19-ST01 Die Dialektik der Aufklärung in Sprache und BewegungOberseminar

[Niklas Angebauer, Ronja Dierks]


19-ST02 »Lichtfänger« – Das Licht in Rauminstallation, Malerei, Zeichnung

[Johannes Renzenbrink]


19-ST03 Simulationskonferenz der Austrittsverhandlung des Vereinigten Königreichs aus der EU (Brexit)

[Fabian Landes]


Trainingskurse · Fr 15.15–16.30 Uhr · Sa 14.00–15.30 Uhr · So 13.45–15.15 Uhr


19-T01 »Chanukka ist ein gutes Fest.« – Chanukka und Grundlagen einer jüdischen Kultur

[Marcus Oberreuter]


19-T02 Light and Poetry / Light in Poetry – In Performance

[Peter Lutzker]


19-T03 Licht und Sicht

[Oliver Passon]


19-T04 Philosophieren als »fragendes Denken« mit Kopf, Herz und Hand – Ästhetische Erfahrungen eigener Erkenntisvollzüge im Kontext des Lichtbegriffs.

[Paulus Schürmann]


19-T05 Der Spiegel im Spiegel – Beobachtungen im Spiegelkabinett

[Thomas Neukirchner]


19-T06 Kunstinstallation

[Bukhuti Tsanava]


19-T07 Sich ins Rampenlicht stellen

[Agnes Mann]


19-T08 Bothmer Gymnastik

[Hedwig Küppers]


19-T09 Poetry Slam

[Joki Keilen]


19-T10 Licht und Farbe – Experimente zum Farbensehen und zur Farbentstehung, Fluoreszenz und Phosphoreszenz

[Anja Grund]


19-T11 Das Hell-Dunkel als Gestaltungselement in Zeichnung und Malerei

[Johann Rosenboom]


19-T12 Hell/Dunkel – Großformatige Bilder mit Kohle und Tusche

[Gudrun Hofrichter]


SMA Solar Technology AG


Am Freitagvormittag werden wir zu Gast bei SMA sein, dem weltweit umsatzstärksten Hersteller von Wechselrichtern für Photovoltaikanlagen mit Netzeinspeisung. Der Vorstandssprecher von SMA Jürgen Reinert wird für uns einen Vortrag zu den Zukunftsperspektiven einer vernetzten Solarenergie halten. In den Jahren 2013/2014 war SMA in einer tiefen Krise und hat dann mit neuen Produkten und Koopera­tionen reagiert: Neben dem Kerngeschäft mit Wechselrichtern wurde SMA zum Komplettanbieter für Solarstrom-Dienst­leistungen.


Staatstheater Kassel »Die Orestie« 


Am Freitagnachmittag und -abend besuchen wir das Kasseler Staats­­­t­heater. Dort wird es um das Theaterstück »Orestie« von Aischylos gehen, das sich mit einer Verkettung von menschlichen Gewalttaten auseinandersetzt. Für ihre Inszenierung am Kasseler Staatstheater bekam die Regisseurin Johanna Wehner 2017 den Deutschen Theaterpreis »Der Faust« in der Kategorie »Beste Regie im Schauspiel«. Der Kasseler Chefdramaturg Michael Volk, der Bühnenbildner Benjamin Schönecker und die Beleuchtungsmeisterin Brigitta Hüttmann werden uns einen Vortrag zu Lichträumen auf der Bühne im Staatstheater am Beispiel der »Orestie« halten. Im Anschluss besuchen wir gemeinsam das prämierte Theaterstück.


Bewerbung und Anmeldung


Hier erhalten Sie alle Informationen zum Bewerbungsverfahren.


Ab dem 10. September 2018 können Sie sich zum Jugendsymposion anmelden. Anmeldeformular

Anmeldeschluss für das 19. Kasseler Jugendsymposion »Licht« ist der 2. November 2018.


Essaythemen


1 Eigene Gedankengänge können hell und klar, aber auch dunkel und verworren sein. Wann eignet sich Licht als Metapher für das Denken? – Gehen Sie in Ihrem Essay von eigenen Erfahrungen bzw. Beobachtungen Ihres Denkens aus.

2 „Ich möchte zum Zeichen der Aufklärung […] das Feuer vorschlagen. Es gibt Licht und Wärme, es ist zum Wachstum und Fortschreiten alles dessen, was lebt, unentbehrlich; allein – unvorsichtig behandelt, brennt es auch und zerstört auch.“ – Christoph Lichtenberg beschreibt mit dem Symbol des Feuers zwei Seiten des aufklärerischen Verstandes. Unter welchen Bedingungen offenbart der menschliche Verstand seine aufbauende bzw. seine destruktive Seite? Gehen Sie in ihrer Darstellung von eigenen Erfahrungen bzw. wahrgenommenen Kulturphänomenen aus.

3 „In jedem Gedanken ist das Ich das verborgene Licht, in jedem findet man sich; man denkt immer nur sich oder das Ich, freilich nicht das Gemeine, abgeleitete Ich, in dem wir uns selbst als beschränkt und abgesondert finden, sondern in seiner höhern Bedeutung.“ (Friedrich Schlegel: Philosophische Vorlesungen aus den Jahren 1804-1806. Theorie des Bewußtseins. In: Friedrich Schlegel: Die Entwicklung der Philosophie. Bonn 1846, S. 38.) Gehen Sie unter Einbeziehung von Selbstbeobachtung dem Gedanken Schlegels nach, dass wir den Denkakt als Lichtwurf erleben können, der uns im Weltzusammenhang erscheinen lässt!

4 Die „dunkle Rückseite der Aufklärung“ nennt man das Dämonische, Irrationale und Destruktive, das aus dem Unbewussten umso mächtiger hervordringt, je mehr es vorher aus dem Bewusstsein verdrängt wurde. – Sind aktuelle gesellschaftliche Symptome wie rassistisch motivierte Ausschreitungen Symptome einer defizitären Aufklärung?


Das vollständig ausgefüllte Deckblatt zum Essay mit Schulstempel und Unterschrift von Ihrem Kontaktlehrer und ggf. von einem Erziehungsberechtigten! (Unterschriften und Stempel entfallen für Schulabsolventen). Download Deckblatt

Das ausgefüllte Deckblatt zum Essay und Ihren Essay selber senden Sie bitte gemeinsam an folgende Adresse:


KASSELER JUGENDSYMPOSION
Brabanter Straße 30
34131 Kassel


Die Frist für die Einsendung der Essays endet am 9. November 2018.


Veranstaltungsüberblick



Planungsstand: November 2018


Informationen



Flyer zum 19. Jugendsymposion